Die Schneerose, die den Lenz einläutet

Früh im Jahr streckt sie ihre zuerst nickenden Blüten in die noch kalte Spätwinterluft. In diversen Farben und bei einigen Sorten mit spannender Musterung begrüsst die Christ- oder Schneerose (botanisch Helleborus, zu Deutsch Nieswurz) die fruchtbare Jahreszeit, der Frühling kündigt sich an.

Von Februar bis April zeigt sich die heimische Schwarze Nieswurz (Helleborus niger). Sie besiedelt gerne Buchen- und Buchenmischwälder und steht dort meistens im lichten Schatten. Da sie zu einer Zeit blüht, in der noch kaum Insekten unterwegs sind, vertraut sie auf die Selbstbefruchtung (Autogamie). Die Narben bleiben über einen längeren Zeitraum fruchtbar, dadurch wird die Wahrscheinlichkeit einer Bestäubung mit dem eigenen Pollen erhöht. Trotzdem freuen sich vielerorts die ersten Insekten über den Pollen, davon hat sie nämlich reichlich zu bieten. Die Samen werden durch das fettreiche Anhängsel vor allem durch Ameisen ausgebreitet. Aber auch Schnecken tragen zur Ausbreitung bei.

Bei den alten Griechen hiess die Pflanze helléboros (έλλεβόρου). Das lateinische niger bezieht sich auf das schwarze Rhizom. Der Name Schwarze Nieswurz verweist sowohl auf das schwarze Rhizom als auch auf die Verwendung als Niespulver.

Speziell zu erwähnen wäre auch die Grüne Nieswurz (Helleborus viridis) die mit ihren beinahe giftgrünen Kronblättern auffällt. Der geeignete Standort liegt im lichten Schatten bis Halbschatten auf humusreichem Grund. Zusammen mit anderen Frühblühern wie Winterling (Eranthis hyemalis), Frühlingsknotenblume (Leucojum vernum), Frühlings-Alpenveilchen (Cyclamen coum) und Seggen-Arten (Carex sp.) steuert sie einen ungewöhnlichen Farbtupfer bei.

Die Grüne Nieswurz (Helleborus viridis) ist in Mitteleuropa eher selten anzutreffen.

Die Gattung gehört wie das Gewöhnliche Leberblümchen (Hepatica nobilis), Buschwindröschen (Anemone nemorosa) oder das ebenfalls frühzeitig erscheinende Scharbockskraut (Ficaria verna) mit zu den Hahnenfussgewächsen (Ranunculaceae).

Eine Helleborus Orientalis-Hybride entfaltet sich. Da die Staude erst nach einigen Jahren schöne, dichtbuschige Bestände bildet, empfiehlt es sich, den Standort mit Bedacht zu wählen, gerne am Gehölzsaum in Steingärten. Sie brauche Halbschatten, humosen, durchlässigen, alkalischen Boden und bis zum Juni ausreichend Feuchtigkeit.

Farbenfrohe Gartenformen haben ihren Ursprung in der Hybridisierung und sind unter Lenzrose oder Helleborus x hybridus (syn. Helleborus Orientalis-Hybriden) bekannt. Durch ihre Robustheit und den verwendungstechnischen Vorteilen bezüglich Wurzeldruck und Standort, werden die Sorten oft unter Gehölzen im Halbschatten bis Schatten gepflanzt. Selbst vor einem sonnigen Standort kapituliert sie nicht, der Boden sollte jedoch frisch bis mässig feucht sein. Natürlich wurden diese Sorten in erster Linie aufgrund ihrer optischen Merkmalen gezüchtet. Man denke an die klassische Sorte ‚Atrorubens‘ oder ‚White Spotted Lady‘, welch unverzichtbare Schönheiten im Frühlingsgarten.

Helleborus Orientalis -Hybride ‚Pink Spotted Lady

Alle Helleborus-Arten, ausser stammbildende (caulenscente), lassen sich am besten durch Teilung vermehren. Der günstigste Zeitpunkt ist im Frühling oder Herbst. Die Aussaat ist auch eine Variante, jedoch entstehen dann Zufallssämlinge, die sich in Farbe und Form von der Mutterpflanze unterscheiden und vielleicht die eine oder andere neue Variante :).

Die vorweibliche (Protogynie) Schalenblume wird vor allen durch Bienen, Hummeln und Falter sowie pollenfressende Insekten bestäubt. Die duftenden Nektarblätter absorbieren im Gegensatz zu der Blütenhülle UV-Licht, wodurch UV-sichtige Insekten, insbesondere Bienen und Hummeln, angelockt werden.

Die Helleborus ist viel mehr als nur eine Frühjahrs-Dekopflanze vom Floristen oder Gartencenter. Sie sollte als Zierde und ökologische Bereicherung ihr ganzjähriges Plätzchen im Garten bekommen.

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